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| Abwurfmunition-Torpedos - Munitions-Handbuch - Teil 1 Flugzeugtorpedo F5 5 w - Heft a: Beschreibung |
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| VI. Hinterteil |
| E. GA |
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(Abb. 95 – 106) |
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Der GA hat die Aufgabe, den Torpedo bis zum Ende seiner Laufstrecke in der im Augen-blick des Abschusses (Abwurfes) innegehabten Richtung geradeaus zu steuern oder beim Winkelschuß den Torpedo gleich nach dem Eintritt in das Wasser bis zu dem eingestellten Winkel abzulenken und dann in dieser Richtung zu steuern. Dies wird erreicht durch einen kardanisch aufgehängten Kreisel, der die Abweichungen des Torpedos von der Kreisel-achse auf die Steuerungseinrichtungen überträgt und einen entsprechenden Ruderaus-schlag hervorruft. Der GA wird über eine Anlaßturbine angelassen und während des ge-samten Laufes nachgeblasen. |
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Das Gehäuse ist mit seinen beiden Anschlußflanschen oben und unten am GA-Lagerbock befestitgt. Der obere Flansch ist mit einer Anschlußbohrung für HD-Luft, der untere mit seiner Anschlußbohrung für geregelte Luft versehen, die beide auf entsprechende Boh-rungen im GA-Lagerbock passen (Abb. 95). In einer Eindrehung außen am Gehäuse ist die Turbine untergebracht und eine weitere Eindrehung, die durch eine ringförmige Abdeck-platte verschlossen ist, bildet rings um die Turbine einen Ringkanal für die HD-Anblaseluft. Vier Bohrungen führen von diesem Ringkanal zur Turbine und lassen die Anblaseluft tan-gential auf das Turbinenrad treffen (Abb. 96). Die Turbine selbst läuft in zwei Kugellagern von denen eines in einen an das Gehäuse geschraubten Lagergügel, das andere im Ge-häuse gehalten ist. Die axial verschiebbare und mit einer Längsnute versehene Turbinen-welle ist ebenfalls im Lagerbügel und im Gehäuse gelagert und besitzt an ihrem Ende eine Klauenkupplung zur Verbindung mit der Kreiselachse (Abb. 98). An der Turbinenwelle sind beweglich zwei parallele Hebel befestigt, die an einem Ende mit zwei Knickfederstangen verbunden sind, welche die Turbinenwelle in einer der beiden möglichen Stellungen fest-halten. Einer der beiden im Gehäuse beweglich gelagerten Hebel trägt einen kleinen Win-kelfortsatz, mit dem er in eine Aussparung der Zugstange greift, die beweglich mit einem Winkelhebel verbunden ist. Dieser Winkelhebel ist ebenfalls im Gehäuse drehbar gelagert und greift mit seinem kurzen Hebelarm in eine Aussparung des Anlaßventilkolbens. Auf eine mit dem Winkelhebel verbundene Zugstange wirkt über den aufgeschraubten Feder-teller eine Rückholfeder, die ihr Widerlager in einer Führung im Gehäuse hat. An einem seitlich am Gehäuse befestigten Bolzen ist der Sicherungshebel drehbar gelagert, der eine Rast hat und von einer Feder gegen einen Anschlag gedrückt wird. Auf dem gleichen Bol-zen ist noch ein Winkelhebel gelagert, der mit seinem einen Arm gegen einen Nocken des äußeren Ring stößt, wenn dieser verdreht ist, und somit ein falsches Kuppeln verhindert. In einer Bohrung im oberen Teil des Gehäuses ist der Anlaßventilkolben eingeschliffen, der auf einer Seite aus der Gehäusebohrung ragt, während auf der anderen Seite die Bohrung durch eine Verschlußschraube verschlossen ist. In die Bohrung sind zwei verstärkte Aus-drehungen eingearbeitet, von denen eine mit der HD-Luftleitung in Verbindung steht, während von der anderen eine Bohrung zu dem HD-Luft-Ringkanal für Anblaseluft führt. Die Verbindung beider Ausdrehungen bildet den Sitz für das Anblaseventil. Zu beiden Sei-ten des Gehäuses sind Verzögerungsgefäße angeordnet, die jeweils durch zwei Ver-schlußschrauben verschlos-sen sind. Eine der beiden Verschraubungen eines Verzöge-rungsgefäßes ist jeweils mit Filter und Drossel versehen und beide Verzögerungsgefäße sind durch einen Kanal miteinander verbunden. Weitere Bohrungen im Gehäuse verbinden ein Verzögerungsgefäß mit der HD-Luft, das andere mit dem Raum hinter dem Anlaßventil-kolben (Abb. 97). |
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Der äußere Ring des Kreisels ist mit seinem bzw. unteren Lagerzapfen, die durch Schrau-benmuttern am Ring gehalten sind, in Kugellagern im Gehäuse gelagert. Der untere Lager-zapfen ist hohl gebohrt und besitzt auch zwei seitliche Bohrungen, an welche die Nach-blaseluft-Röhrchen anschließen. Durch Bohrungen und einen Ringkanal im Gehäuse, und weiter durch die längs- und quergebohrte Verschlußschraube des unteren Kugellagers gelangt die Nachblaseluft in den Lagerzapfen und in die Nachblaseröhrchen. Diese im äußeren Ring versenkt angeordneten Röhrchen münden in den beiden Kugellagerzapfen für den inneren Ring, die hohlgebohrt und von außen durch eine Deckelverschraubung verschlossen sind. Zusammen mit den Kugellagerpfannen in inneren Ring bilden sie die Lagerung für den inneren Ring. In diesen Kugellagerzapfen sind die Nachblasedüsen ein-geschraubt, die durch die Lagerzapfen und Pfannen hindurchragen und mit ihren zum Kreisel tangentialen Austrittsbohrungen die Nachblaseluft auf die Taschen des Kreisels lenken. Der Kreisel, der doppel-T-förmigen Querschnitt hat, ist mit seiner Kreiselachse, die konisch in den Kreisel gepaßt und durch Mutter gehalten ist, in Kugellagerpfannen des inneren Ringes gelagert. Die Kugellagerpfannen, die in den inneren Ring eingeschraubt sind, sind noch durch einen Gewindering gesichert. Das eine Ende der Kreiselachse trägt ebenfalls eine Klauenkupplung und greift in die Turbinenwelle, während auf das andere Ende eine Regelmutter mit Gegenmutter geschraubt ist. Der obere Lagerzapfen des äuße-ren Ringes ist mit einem exzentrischen Zapfen versehen, der in den Schieberschlitten eingreift. In diesen Schieberschlitten ist der Verteilungsschieber auf einer Seite einge-schraubt und auf der anderen Seite geführt, wobei über das Vierkantende eine Verände-rung der Schieberstellung möglich ist. Der Verteilungsschieber ist in das Schiebergehäuse mit seinen Dichtbunden eingeschliffen, wobei zwei Dichtbunde an den Enden nach außen abdichten und zwei Verteilerbunde drei Ausdrehungen voneinander trennen. Das Schie-bergehäuse selbst ist mit einer konischen Luftverteilungswelle aus einem Stück gefertigt, die im oberen Teil des GA-Gehäuses eingeschliffen ist. Drei innere Bohrungen in der Luft-verteilungswelle enden einerseits beim Verteilungsschieber und andererseits in drei Ring-kanäle der Luftverteilerwelle, die wiederum mit Bohrungen im Gehäuse in Verbindung ste-hen. Die mittlere Bohrung dient als Zuluftbohrung und führt zur mittleren Ausdrehung, während die beiden anderen Bohrungen vom Verteilungsschieber über zwei Röhrchen, die mit Flanschen oben und unten am Gehäuse befestigt sind, vor und hinter den Arbeitskol-ben führen. Zwei Bohrungen im Verteilungsschiebergehäuse dienen die Abführung der Ab-luft. Auf einen aus dem GA-Gehäuse ragenden Zapfen der Luftverteilerwelle ist das Win-kelstellrad aufgekeilt und mit Mutter und Gegenmutter gehalten. Im unteren Teil trägt das Einstellrad einen Zahnkranz, in den die Antriebsschnecke greift, im oberen Teil eine Grad-einteilung. |
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Eine am Gehäuse befestigte Markenscheibe ermöglicht das genaue Einstellen bzw. Able-sen des befohlenen Winkels. Eine Bohrung im unteren Teil des Gehäuses bildet den Ar-beitszylinder (Abb. 99), in den der mit Dichtringen versehene Arbeitskolben eingeschliffen ist. Verschlossen ist der Arbeitszylinder durch zwei Zylinderverschlußschrauben, wobei die hintere Verschlußschraube eine durch Stopfbuchse gedichtete Durchführung für die Schubstange besitzt. Die Schubstange trägt an ihrem Ende eine Kupplungsscheibe, über die zum Anschluß des Steuergestänges eine Bajonettkupplung greift. Bohrungen im Ge-häuse, die mit den Luftröhrchen vom Verteilungsschieber in Verbindung stehen, führen vor und hinter den Arbeitskolben. |
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Wirkungsweise (Abb. 100 – 105) |
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Wenn der Öffnungshebel gelegt ist, tritt sofort ungeregelte Luft in das Anlaßventil und weiter in den Anblaseringkanal und bläst die Anlaßturbine an. Diese läuft mit hoher Dreh-zahl an un nimmt durch die Klauenkupplung den Kreisel mit. Zu gleicher Zeit tritt aber auch ungeregelte Luft durch Bohrungen im Gehäuse, über Filter und Drossel in das erste Verzögerungsgefäß und über ein weiteres Filter mit Drossel in das zweite Verzögerungs-gefäß und füllt diese. Von hier tritt die HD-Luft dann durch eine Gehäusebohrung hinter den Anlaßventilkolben und drückt diesen auf seinen Sitz. Damit wird der Zustrom weiterer Anblaseluft zum Anblaseringkanal und damit zur Anlaßturbine unterbrochen. Der Zeitraum vom Anblasen bis zum Abschluß des Anlaßventilkolbens hat aber ausgereicht, um dem Kreisel die erforderliche Umdrehungszahl zu geben. Mit dem Schließen des Anlaßventilkol-bens wird auch gleichzeitig die Anlaßturbine über Winkelhebel, Schubstange, Kniehebel vom Kreisel entkuppelt und durch die Knickfedern und den vom Sicherungshebel verblock-ten Winkelhebel in dieser Stellung gehalten. |
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Vom Regler für GA ist nun auch geregelte Luft zum GA gelangt und strömt durch den un-teren Lagerzapfen, die Nachblaseröhrchen zu den Nachblasedüsen, von wo sie tangential auf die Taschen des Kreisels trifft. Auf diese Weise wird der Kreisel während seines Lau-fes auf der erforderlichen Drehzahl gehalten. |
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Da der Kreisel seine beim Anlassen inngehabte Stellung beibehält, verschiebt sich bei einer Abweichung des Torpedos von seiner Laufrichtung die Kreiselachse gegen die Tor-pedoachse und damit gegen die GA-Gehäuseachse. |
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Dadurch wird aber das Schiebergehäuse und mit ihm der Verteilungsschieber und der Schieberschlitten um den Exenterzapfen des oberen Kugellagerzapfens gedreht, wobei sich das Schiebergehäuse auch in seiner Stellung zum Verteilungsschieber verschiebt. Die Verschiebung hat zur Folge, daß die beiden Bohrungen im Schiebergehäuse zum Arbeits-zylinder durch die Verteilerbunde freigegeben werden. Dabei wird eine Bohrung mit der mittleren Ausdrehung für Zuluft verbunden und die andere Bohrung über die rechte oder linke Ausdrehung für die Abluft mit den Abluftbohrungen im Gehäuse je nach Abweichung des Torpedos. Die Zuluft strömt also über den Verteilungsschieber auf eine Kolbenseite und drückt den Arbeitskolben in eine seiner beiden Endlagen, wobei die andere Kolbensei-te über den Verteilungsschieber und die Abluftbohrungen entlüftet wird. Der Arbeitszylin-der bringt also über das Steuergestänge die GA-Ruder so lange in Hartruderlage, bis sich der LT über seine Sollrichtung hinaus gedreht hat und der eben geschilderte Vorgang sich in umgekehrter Richtung wiederholt. |
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Dieses Spiel wiederholt sich während des ganzen Torpedolaufes, so daß der Torpedo um den Sollkurs in einer leichten Schlangenlinie läuft. |
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Beim Winkelschuß wird vor dem Schuß das Einstellrad mit Welle und Schiebergehäuse über eine Einstellvorrichtung um den gewünschten Winkel verstellt. Da diese Verstellung um die Hochachse des Kreisels erfolgt, verschiebt sich das Schiebergehäuse sofort gegen den Verteilungsschieber um einen dem eingestellten Winkel entsprechenden Betrag. Beim Eintritt des LT in das Wasser gehen die GA-Ruder sofort in Hartruderlage, bis der einge-stellte Winkel durchlaufen ist, dann erst tritt die vorstehende geschilderte normale Steuerung durch den GA wieder ein. |
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